
Diesen Urlaub wollte ich endlich das tun was ich schon so lange vorhatte, ein Praktikum in Afrika machen, dort arbeiten und das leben auf diesem Kontinent kennen lernen. Obwohl ich ausgebildete Krankenschwester bin, habe ich mich wegen der Sprachschwierigkeiten (ich spreche nur ganz wenig französisch) gegen ein Praktikum im Krankenhaus entschieden. Als mir von der NdF die Möglichkeit geboten wurde in einer Schule für taub-stumme Kinder zu arbeiten habe ich nach kurzer Überlegung zugesagt. Der letzte Monat vor der Abreise war schon etwas Anstrengend: Informationen einholen, alles richtig planen, sich impfen lassen usw…. Aber es hat sich gelohnt!
Der Flug von Düsseldorf über Paris nach Lomé verlief ohne jegliche Probleme. Als ich abends in Lomé ankam hat mich wie vorher verabredet Roger(Projektleiter) am Flughafen abgeholt. Wir sind ein kurzes Stück mit dem Auto durch die riesige Hauptstadt Togos gefahren und ich habe meine ersten Eindrücke sammeln können. Die erste Nacht in Togo habe ich bei einer sehr netten einheimischen Familie verbracht, wir haben gemeinsam zu Abend gegessen uns unterhalten und dann konnte ich in einem klimatisierten Raum gut schlafen. Am nächsten morgen ging es dann weiter nach Kpalimé. Die Fahrt von etwa 120 km haben wir mit dem Taxi zurückgelegt, wobei Taxis in Togo sicher nicht den Komfort bieten wie in Deutschland, aber die Freundlichkeit und die Offenheit der Menschen lassen einen das ganz schnell vergessen. Dieses Gefühl sollte ich während meines ganzen Aufenthaltes nicht mehr verlieren. In Kpalimé angekommen haben wir die Formalitäten schnell erledigt und sind dann weiter gefahren nach Atakpamé, wo auch die Vivenda de Sourds steht an der ich mein Praktikum absolvieren wollte. Erst mal sind wir aber zu der Familie gefahren bei wohnen sollte. Die Liebenswürdigkeit mit der ich empfangen wurde hat mich sehr beeindruckt und auch etwas sprachlos gemacht. Ich bekam ein eigenes Zimmer mit Ventilator in dem ich die nächsten 3 1\2 Wochen schlafen konnte.
Noch an diesem Nachmittag sind wir in die Schule besucht und ich konnte die Schüler und den Lehrer Daniel kennen lernen. Die Schule hat 23 Schüler im Alter von 5 bis 24 Jahre, die unterteilt sind in 3 Stufen. Sie besteht aus einem kleinen Gebäudekomplex mit flachen Häusern und einem kleinen „Schulhof“. Der Unterricht findet nur während der Regenzeit im Gebäude statt, ansonsten wird er im Freien unter einem Sonnenschutzdach abgehalten. Hier sollte und wollte ich die nächsten Wochen arbeiten und lehren und lernen.
Die ersten Tage habe ich hpts. zugesehen wie der Unterricht organisiert ist was alles zu beachten ist, ich hatte ja noch nie Unterricht gegeben und auch die Gebärdensprache war für mich völlig neu. Daniel der Lehrer hat mir alles so gut erklärt, dass ich schon nach kurzer Zeit anfangen konnte die untere Stufe zu unterrichten, vor allen im Rechnen (Zahlbereich von 1-10 ) und kleinere Gebärden wie z.B. Mama, Papa, Garcon, Ecole usw. Der Unterricht ging von 7.30 bis 11.20 und dann noch mal von 15-17 Uhr. Man konnte schon sehen dass es den kleineren Kindern z.T. Mühe bereitete sich die Dinge zu merken von allem über ein Wochenende, was sicher daran liegt das sie keine Möglichkeit haben ihr Wissen zu vertiefen. Ihre Familien können leider die Gebärdensprache überhaupt nicht. Umso beeindruckender ist es mitzubekommen was die älteren Schüler die seit 4 Jahren die Schule besuchen alles gelernt haben. Nicht nur das sie untereinander in der Gebärdensprache kommunizieren, Lesen, Schreiben und Rechnen können, sie haben auch Unterrichtsfächer wie Geschichte, Erdkunde und vieles mehr.
Es war nicht immer leicht vor allem die kleineren Kinder zu beschäftigen, die natürlich viel spielen und toben wollen, aber es hat großen Spaß gemacht. Zwischen den Stunden haben wir schon mal Ball gespielt, Seilhüpfen gemacht oder ein alter Autoreifen diente als Spiel und Sportmöglichkeit. Einmal haben wir mit allen Schülern einen Ausflug auf den Sportplatz gemacht der etwa 3-4 km entfernt ist. Hier konnten wir Basket- und Fußball spielen, Weitspringen und laufen, alle haben diesen Tag sehr genossen.
Auch außerhalb der Schule gab es kleine Aktivitäten die ich unternehmen konnte, so bin ich z.B. mit der Gastmutter oder Roger und Daniel auf den Markt gegangen oder wir haben ausgedehnte Spaziergänge in der näheren Umgebung gemacht und ich hatte die Möglichkeit mir verschieden Dinge und Plätze anzusehen und auch einfach nur die einzigartige Natur zu betrachten. Sonntags ging es in die Kirche, ich hatte mir zu diesem Zweck mit Hilfe der Gastmutter ein typisches afrikanisches Outfit schneidern lassen, was für wenige Euros dort möglich ist. Der Gottesdienst selbst war ein echtes Erlebnis und auch eine Herausforderung für mich die ich nur die ruhigen Kirchtage hier in Deutschland kenne, ein Gospelgottesdienst geht über 3-4 Stunden ist tlw. sehr laut und auch anstrengend vor allem wenn man nicht viel versteht was gesprochen und gesungen wird.
Die letzten 2 Tage meines Aufenthalts habe ich dann richtig Urlaub gemacht, nachdem ich in Kpalimé einige ehrenamtliche Mitarbeiter von CHE kennen gelernt habe sind wir am nächsten Tag auf den Mount Agou (der höchste Berg Togos) und dann weiter nach Lomé die Stadt bei Tageslicht besichtigen, natürlich sind wir auch noch ans Meer und haben den kühlenden Wind dort sehr genossen.
Obwohl ich nur kurze Zeit in Togo war habe ich sehr viel gesehen, bei den meisten Menschen dort gibt es eine sehr große Armut an materiellen Dingen, auch ist der Komfort und die Sauberkeit der Straßen sicher nicht so wie wir es aus Deutschland kennen aber die Hilfsbereitschaft, Offenheit und Freundlichkeit die mir begegnete werde ich niemals vergessen. Ich denke dass dies nicht mein letzter Besuch in Togo war und ich die Schule mit den Kindern, meine Gastfamilie und das bunte Leben auf den Straßen wieder sehen werde.