
Im Großen und Ganzen hat alles reibungslos geklappt. Ich wurde am Freitag,
den 2.Juli von Sonia, Roger und Guillaume in Lomé am Flughafen abgeholt.
Am nächsten Morgen versuchten wir in verschiedenen Banken meine
Reiseschecks einzulösen, was etwas problematisch war, da am Samstag die
Banken nur bedingt geöffnet hatten. Daher sind wir, Roger und ich, dann
einfach weiter nach Kpalimé gefahren. In Kpalimé angekommen sind wir,
nach einem kurzem Abstecher im Büro von CHE, direkt zur Gastfamilie
gefahren. Ich wurde sehr nett empfangen und war erst einmal etwas verwirrt,
weil einfach so viele Menschen da waren. Nach dem Essen wurde mir mein
Zimmer gezeigt, das meine Erwartungen überstieg, denn es waren eigentlich
zwei Zimmer mit einem großen Bett, Tisch und Ventilator. Am selben Abend
noch hat mich M. Alagbo mit zum Gesundheitszentrum genommen und ich
habe einen ersten Eindruck von meinem Arbeitsplatz bekommen.
Am Montag konnte ich mit der Arbeit noch nicht beginnen, da ich einen
weißen Kittel brauchte, der noch nicht fertig war. Also probierten wir es mit
meinen Reiseschecks in der Bank in Kpalimé, was auch funktionierte, jedoch
etwas dauerte (eine Stunde Wartezeit wegen Überprüfung der Schecks).
Daher hatte ich am Dienstag meinen ersten Arbeitstag. Auf die Arbeit im
Speziellen werde ich später noch eingehen. Am Mittwoch ging es dann noch
mal für einen Tag nach Lomé, denn ich musste mich bei der deutschen
Botschaft anmelden, was am vorigen Samstag nicht möglich gewesen war.
Dort angekommen wurde mir allerdings gesagt, dass man das neuerdings
über das Internet machen muss. Die Fahrt war also umsonst, aber das konnte
ja vorher niemand wissen.
Die folgenden zwei Wochen ging ich ganz normal zur Arbeit. Nachdem mich meine Gastschwester zu einer Bibelwoche in Lomé eingeladen hatte, bin ich vom 23. - 29. Juli mit meinem Gastbruder in die Hauptstadt gefahren. Auch hierauf komme ich später noch einmal zurück.
Der August verlief relativ unspektakulär. Drei Tage wurde ich “krankgeschrieben”, weil ich in der Arbeit ein klein wenig Schnupfen hatte. Demnach hatte ich quasi eine halbe Woche Urlaub. An einem Wochenende haben wir mit Adzafo einen Ausflug zum Wasserfall von Wome gemacht.
Anfang September kamen Rebecca und Jula an. Außerdem bekam ich auf
diesem Weg Sonia wieder zu sehen, da sie die beiden mit Adzafo nach
Kpalimé gebracht hatte. Mit der Ankunft der beiden Deutschen hat sich
einiges verändert. Ab sofort kochte extra für uns ein Mädchen, was auch
daran lag, dass Rebecca und Jula beide Vegetarierinnen sind. Zusammen
haben wir einen einwöchigen Ewe-Sprachkurs bekommen. Außerdem haben
wir einen Ausflug zum Cimetière des Allemands gemacht. Am 11. September
ist Jula schließlich weiter nach Atakpamé gefahren. Eine Woche später
kamen dann auch Jule und Sina an, mit denen wir uns auch ab und zu
getroffen haben. Am 24. September war mein letzter Arbeitstag. In den
folgenden Tagen bereitete ich mich auf die Abreise vor. Am Mittwoch, den 29.
September, haben wir noch eine kleine Abschiedsfeier mit Foufou für alle
gemacht. Am 30. September ging es schließlich nach tränenreichem
Abschied nach Lomé und nach einem weiteren tränenreichen Abschied am
Flughafen schließlich wieder zurück in die Heimat.
Meine Arbeitszeiten im Gesundheitszentrum La Renaissance waren von
Montag bis Freitag von 07.30 - 11.30 Uhr. Während der ersten Tage bzw.
Wochen habe ich in der Arbeit erst einmal nur zugeschaut. Daraufhin begann
ich bei den Patienten Blutdruck und Temperatur zu messen. Mit der Zeit
durfte ich dann auch hier und da eine Spritze setzen und Blutproben nehmen.
Außerdem konnte ich in den ersten zwei Wochen gleich bei zwei Geburten
dabei sein. Des weiteren kamen einige Patienten mit Verletzungen ins
Gesundheitszentrum. All dies hätte ich in Deutschland während eines
Praktikums nie erleben können, da man hier für so etwas immer gleich eine
Ausbildung braucht.
Allerdings haben mich bei der Arbeit insbesondere zwei Aspekte gestört.
Erstens kamen generell sehr wenig Patienten. Oft habe ich mich in den vier Stunden, die ich im Gesundheitszentrum verbrachte, gelangweilt, weil einfach keine Patienten auftauchten. Und wenn Patienten kamen, hieß das noch lange nicht, dass ich etwas tun kann, denn außer mir waren immer noch mindestens vier Krankenschwestern und der Assistant médical da. Dadurch kam ich mir oft überflüssig vor. Das hatte ich mir vor meiner Abreise etwas anders vorgestellt. Mir war durchaus klar, dass ich dort nicht unentbehrlich sein würde, aber ich dachte, dass ich wenigstens durchgehend beschäftigt wäre.
Zweitens hatte ich auch ein paar sprachliche Schwierigkeiten. Und damit
meine ich nicht Französisch, sondern Ewe. Denn im Krankenhaus wurde fast
ausschließlich Ewe gesprochen. Oft wusste ich gar nicht, was die
verschiedenen Patienten eigentlich haben, denn es wurde mir nicht gesagt.
Und wenn man nur auf Nachfrage erklärt bekommt, was gerade passiert (und
selbst dann nur äußerst kurze Antworten), hat man irgendwann auch keine
Lust mehr zu fragen. Das soll kein Vorwurf gegenüber den Mitarbeitern sein,
denn Ewe ist deren Muttersprache und es ist nur verständlich, dass sie
(ebenso wie die Patienten) in ihrer Muttersprache sprechen. Für mich war es
allerdings in dieser Situation schon ein Problem.
Die Familie Alagbo hat mich sehr nett und herzlich aufgenommen. Ich habe mich von Anfang sehr wohlgefühlt. Ich wurde sehr lecker bekocht und war so begeistert von der afrikanischen Küche, dass ich, zurück in München, gleich nach afrikanischen Lebensmitteln gesucht (und gefunden!) habe.
An die hygienischen Gegebenheiten habe ich mich auch sehr schnell gewöhnt. Am Anfang schien es mir schwierig, drei Monate lang mit einem Eimer kalten Wasser unter freiem Himmel zu duschen. Das war allerdings überhaupt kein Problem und ich habe mich nicht ein einziges Mal nach warmen Wasser gesehnt. Nach einer Weile hatte ich dann auch eine Strategie, wie der Eimer gut für eine Dusche mit Haarwäsche ausreicht.
Neben der Gastfamilie waren noch drei andere Familien im Haus, die ich auch sehr ins Herz geschlossen habe. Einer der Frauen hat mir im regelmäßigen Abstand die Haare in allen Variationen geflochten. Eine andere hat mir Kleider geschneidert. Die Kinder der Familien, insgesamt fünf, haben dafür gesorgt, dass es nie langweilig wurde. Auch sie vermisse ich schon sehr.
Da ich nur vormittags gearbeitet habe, hatte ich genügend Freizeit. Oft bin ich
in die Stadt und ins Internetcafé gegangen. Ein Mittagsschläfchen ist
allerdings auch fester Bestandteil des Nachmittags geworden, denn das frühe
Aufstehen und die Hitze haben mich schon sehr ermüdet. Ansonsten haben
sich Mitglieder der Organisation um mich gekümmert. Zum Teil konnte ich
beim Tücher bemalen (Batik) zuschauen und mitmachen, den Jungs beim
Fußballspielen zuschauen oder mit einer Freundin Kekse backen. Öfter hat
mir die Nachbarin, wie schon gesagt, die Haare geflochten.
Ende Juli war ich, wie oben schon erwähnt, für eine Woche in Lomé. Mein Gastbruder Komi und meine Gastschwester Martine waren auch dabei. In erster Linie ging es dabei um die Bibelwoche für Jugendliche, die im Palais des Congrès stattfand. Diese war zwar sehr informativ und interessant, aber auch anstrengend. So konnte ich aber auch ein bisschen die Hauptstadt kennenlernen und ein paar schöne Stunden am Strand verbringen.
Ein paar Ausflüge haben wir in den drei Monaten auch mit der Organisation gemacht. Einmal sind wir zum Wasserfall nach Wome gefahren. Das war sehr schön, da schönes Wetter war und wir auch schwimmen konnten. Einen weiteren Ausflug haben wir zum Cimetière des Allemands unternommen. An diesem Tag hatten wir weniger Glück, denn es regnete fast durchgehend. Trotzdem hatten wir ein paar schöne Aussichten und haben ein bisschen Abwechslung zu Kpalimé gehabt (gerne öfter!).
In den letzten beiden Wochen konnte ich das Haareflechten dann auch selbst noch erlernen, zumindest ansatzweise. Jeden Nachmittag besuchte ich einen Tresse-Salon und durfte zuschauen und mitmachen. Das fand ich auch sehr interessant und gar nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Man merkt natürlich einen ziemlich großen Unterschied zwischen Togo und
Deutschland. Und man kommt sich teilweise fast ein bisschen hilflos vor, weil
wir Europäer einfach so verwöhnt sind, dass wir für so manche Situation nicht
gerüstet sind. Das fängt beim Duschen und Waschen an und hört beim Moto
Taxi auf. Da wird man - zu Recht- schon mal ausgelacht. Aber die Leute sind
ja auch so hilfsbereit, dass man diese Sachen schnell in den Griff bekommt.
Generell hat mich das Land sehr begeistert. Abgesehen von den
wunderschönen Landschaften hat mich vor allem die Lebensart der
Menschen beeindruckt. Ich wurde immer sehr freundlich behandelt. An den
langsamen Lebensrhythmus muss man sich zwar erst gewöhnen, aber nach
einer Weile wird man dann auch ruhiger und hat es nicht mehr immer so eilig.
Diese drei Monate haben mir sehr viel Spaß gemacht. Ich habe viel gelernt und erlebt. Ich möchte nicht, dass sich mein Bericht zu negativ anhört (aufgrund der langen Passage über die Arbeit), denn insgesamt wird mir diese Reise positiv im Gedächtnis bleiben.
Ich möchte mich auch bedanken, dass alles so reibungslos geklappt hat.
Anderen Freiwilligen kann ich dieses Land nur empfehlen. Meine nächste
Reise dorthin ist bereits in Planung.
