Allgemeine Infos über Albinismus

Weiße Haut, rötliche Augen, weißblonde Haare – dies ist das typische Erscheinungsbild von Menschen mit Albinismus. Während sie in Europa weniger auffallen, hat die angeborene Stoffwechselerkrankung in Afrika weit drastischere Auswirkungen. Mal gelten die Menschen als Unglücks-, mal als Heilsbringer. Beispielsweise sagt man in Tansania den Menschen mit Albinismus glücks- und heilbringende Kräfte nach, die jedoch weitreichende negative Konsequenzen bis hin zum Mord nach sich ziehen können.

2007 und 2008 wurde eine Reihe von Mordfällen an Albinos bekannt, die von „witch doctors“ getötet wurden, um aus ihren Körperteilen Zaubermittel herzustellen, die zu Reichtum verhelfen sollen. In Simbabwe diente der Aberglaube, Geschlechtsverkehr mit Albinos würde eine HIV-Infektion heilen, als Vorwand, Frauen mit Albinismus zu vergewaltigen. Desweiteren tragen zahlreiche Filme und Bücher zur Diskriminierung der Betroffenen bei. Oft nehmen sie die Rolle des Bösen bzw. des Bösewichts ein, wie beispielsweise der mordende Mönch Silas in „The Da Vinci Code – Sakrileg“. 

Berühmte Musiker sind der westafrikanische Sänger Salif Keita aus Mali und Yellowman aus Jamaika, die beide nach ihrer Geburt zunächst von ihren Familien verstoßen wurden. Während Salif Keita wieder zur Familie zurückkehren konnte; wuchs Yellowmann in einem jamaikanischen Waisenhaus auf. Beide Musiker waren seit ihrer frühsten Kindheit von sozialer Diskriminierung betroffen. Salif Keita spiegelt seine biografischen Erfahrungen in seiner Musik wieder: was es heißt als Albino in Afrika zu leben; mit der Andersartigkeit zurechtzukommen, großen Vorurteilen und Feindseligkeiten ausgesetzt zu sein.   

Die Ursache vom Albinismus ist eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung bei der die Melaninsynthese unterbunden bzw. gestört ist. Melanin ist zuständig für die Pigmentierung  von Haut, Haaren und Augen. Unter dem Einfluss von Sonnenlicht nimmt normalerweise die Melaninproduktion zu und die Haut färbt sich dunkler. Da der Organismus eines Albinos wenig oder kein Melanin herstellt, haben die Betroffenen weiße oder weißblonde Haare, rötliche Augen und eine sehr helle Haut. Daher sind sie einem erhöhten Hautkrebsrisiko ausgesetzt. Betroffene bekommen sehr leicht Sonnenbrand und sollten deswegen umso mehr auf einen effektiven Sonnenschutz achten.

Besonders schwierig gestaltet sich diese Schutzmaßnahme in Afrika, wo nicht nur die Sonneneinstrahlung größer sondern auch Sonnenschutzmittel wesentlich schwerer oder gar nicht erhältlich sind. Viele können sich den lebensrettenden Hautschutz gar nicht leisten. Eine erhebliche Auswirkung hat die Melaninunterproduktion außerdem auf das Auge. In der Regel findet sich eine deutliche angeborene Sehbehinderung, ein unwillkürliches Augenzittern (Nystagmus) und eine starke Blendungsempfindlichkeit. Betroffene sollten deswegen rechtzeitig mit Sehhilfen und Sonnenbrillen versorgt werden.

Nur sehr selten ist Albinismus mit anderen Erkrankungen verbunden, in der Regel sind die Betroffenen bis auf die Sehbehinderung und die Lichtempfindlichkeit der Augen und der Haut gesund.

Dass Albinismus in Afrika immer mehr in eine weltweite öffentliche Diskussion rückt, macht sich insbesondere auch in den Medien bemerkbar. So ist beispielsweise das UNICEF-Foto des Jahres 2009 ein Mädchen mit Albinismus aus Tansania.